Startup Rallye Berlin

Startup Rallye Berlin

von Sebastian Bluhm
Lesezeit: 3 Minuten

Die Berliner Startup Szene gilt als Zentrum der deutschen Gründerkultur. Vor 20 Jahren haben wir selbst gegründet, jetzt wollte ich einen frischen Blick auf die Startup-Szene bekommen. Mit 40.000 Gründungen pro Jahr ist Berlin auch die Gründerhauptstadt. 1 Tag Berlin, 5 Stationen, 18 Stunden, unzählige Inspirationen.

Das Setup des Tages

Nach einer reibungslosen Anreise mit der Deutschen Bahn, fanden wir uns im Fintech Hub H:32 ein. Der Veranstalter, die Privatbank Bethmann, hatte für den Tag eine Rallye durch die Berliner Startupszene geplant. Gestartet wurde mit zwei Impulsvorträgen in großer Gruppe, danach wurden Gruppen gebildet und los ging es per Reisebus zu den einzelnen Startup-Stationen.

Impuls durch Carsten Maschmeyer

Hannover ist irgendwie überall, so fühlt es sich jedenfalls am heutigen Tage an. Denn der Impulsvortrag wird von Unternehmer und Investor Carsten Maschmeyer (Twitter), der über viele Jahre in Hannover gelebt und gearbeitet hat, gehalten. Vielen Menschen wird Maschmeyer auch als Juror des VOX Primetime-Formats “Höhle der Löwen” bekannt sein. Er gibt in seinem Vortrag einen Einblick in seinen unternehmerischen Werdegang, Motivationen und Ziele seines Schaffens und sein großes Interesse an Startups und Gründern.

Station 1 / H:32 Fintech Hub

Im Rahmen der DE-Hub Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums wurden bundesweit 12 sogenannte Hubs gegründet. In Berlin wurde der Schwerpunkt auf “Fintech und IoT” gesetzt. H:32 ist Teil dieses Hubs und zudem der größte Fintech Hub Europas. Junge Unternehmen und Gründer mit dem Fokus auf Finanztechnologie (kurz Fintechs), also dem Einsatz von Technologie zur Weiterentwicklung von Finanzdienstleistungen, sind in diesem Gebäudekomplex beheimatet. Es muss also nicht immer das Silicon Valley sein, um disruptive Geschäftsmodelle zu entwickeln, manches passiert eben auch in der deutschen Hauptstadt Berlin.

Station 2 / Impact Hub Berlin

Eine wirklich neue Erfahrung brachte mit der Besuch im Impact Hub Berlin, einem Ort für die Gründung und Entwicklung von sozialen Startups und Innovation. Hierbei ist das Impact Hub Berlin, Teil einer globalen Idee und des größten Netzwerks für “Social Innovation”. Die drei Säulen des Hubs sind Gemeinschaft, Beratung und Raum. Auf rund 600 qm sind so zahlreiche soziale Startups entstanden. Im Gespräch mit dem Geschäftsführer Leon Reiner wurde schnell klar, dass soziale Start-ups und erfolgreiche Geschäftmodelle kein Gegensatz sind, sondern sehr gut zusammenpassen.

Station 3 / Cavalry Ventures

Die nächste Station hätten wir eigentlich hoch zu Ross erobern müssen. Wir haben uns aber für die “Motorkutsche” des Reisebusses entschieden, also fast richtig. Wir haben also bei Cavalry Ventures Halt gemacht, einem Frühphasenfonds, der in technologiebasierte Startups investiert. Danke an Marcel Hollerbach (Twitter) für die Vorstellung von Cavalry Ventures und diesen frischen und systematischen Ansatz des Startupinvestments.

Der spannende Ansatz von Cavalry, und damit auch der Unterschied zu anderen Fonds, ist der Hintergrund und Support durch die Partner von Cavalry. Alle Partner haben selbst einen unternehmerischen Hintergrund und selbst erfolgreich Startup gegründet, entwickelt und verkauft. Dieses Gründer Know-how ist eben auch der Mehrwert von Cavalry. Die Partner begleiten mit diesem Wissen die Gründungen sehr eng und bieten praktische Vorteile durch diesen Plattformgedanken. Das heißt Tech-Startups profitieren von vielen zentralen Services und Mehrwerten von Cavalry bei der Entwicklung Ihrer Ideen.

Station 4 / Finleap

Zurück zur Ausgangsposition. In Station 4 wurde uns Finleap vorgestellt, ein sogenannter Company Builder für Fintechs. In einem ehemaligen klassischen Bankgebäude beheimatet (eine gewisse Ironie der Geschichte), werden hier von mehreren hundert Mitarbeitern, Fintech Unternehmen in Deutschland gebaut. Dies können Banken oder Versicherungen sein, oder auch innovative Finanzdienstleistungen für Firmen, die Bandbreite der Möglichkeiten ist sehr groß. Die Geschichte von Finleap zeigt zudem, dass man in Deutschland (trotz aller regulatorischen Hürden) auch Fintechs schnell und erfolgreich gründen und entwickeln kann.

Station 5 / The FACTORY

Das Finale der Tour war mit der “FACTORY” erreicht. Trotz Jetlag stellte der Initiator Udo Schlömer (Twitter) leidenschaftlich “seine” FACTORY vor und die Geschichte und Vision dieser erfolgreichen Idee. Mit der Factory wurde ein riesiger alter Industriekomplex komplett modernisiert und ein Ökosystem für Gründungen geschaffen. Es gibt Coworking Spaces, Veranstaltungsflächen und Restaurants für die Mitglieder. Aktuell sind mehr als 3.000 Mitglieder, aus über 70 Nationen, in der Factory registriert und aktiv. Die Grundidee der Schaffung eines großen gemeinsamen Schaffensraumes für neue Ideen und das Zusammentreffen von Gründern und Kulturen kann man als großen Erfolg betrachten. Heute gibt es mit der FACTORY “Mitte” und “Görlitzer Park” bereits zwei attraktive Locations in Berlin.

Nach dem Vortrag von Udo Schlömer ging es mit gutem Essen vom Grill und kühlen Getränken zum gemütlichen Networkingteil des langen Tages über. Bis in die Nacht hab ich spannende Gespräche mit interessanten Menschen führen dürfen. Klasse!

Fazit

Zuerst ein Danke an die Bethmann Bank für eine ganz tolle Veranstaltung, die super Organisation und unzählige spannende Gespräche mit interessanten Menschen. Damit geht ein sehr ereignisreicher Tag nach gut 18 Stunden für mich zu Ende. Wie aber so oft, sind gerade diese sehr gefüllten Tage, die Quelle der Inspiration für das zukünftige Handeln in den kommenden Monaten. Ich nehme eine Menge toller Impulse im Bereich der Gründerförderung und Startupkultur aus Berlin mit zurück nach Hannover.